Operational-Technology Umgebungen stehen zunehmend unter Druck, vernetzt zu werden. Geschäftliche Anforderungen an Fernzugriff, Echtzeitdaten, Analysen und die Integration mit Unternehmenssystemen nehmen weiter zu. Gleichzeitig haben regulatorische Prüfungen und Bedrohungsaktivitäten gegen industrielle Systeme deutlich zugenommen. Organisationen müssen Konnektivität ermöglichen, ohne Sicherheit, Zuverlässigkeit oder operative Resilienz zu gefährden.
Vor diesem Hintergrund haben führende globale Cybersicherheitsbehörden kürzlich gemeinsame Leitlinien zur Gestaltung sicherer Konnektivität in OT-Umgebungen veröffentlicht. Unter der Leitung des britischen National Cyber Security Centre (NCSC) und in Zusammenarbeit mit Behörden wie CISA, FBI, BSI sowie internationalen Partnern entwickelt, bieten die Secure Connectivity Principles for Operational Technology einen zielorientierten Rahmen, um OT sicher zu vernetzen.
Für Betreiber kritischer Dienstleistungen sind diese Leitlinien besonders relevant. Unsichere oder unzureichend gesteuerte Konnektivität zu OT-Netzen kann zu Betriebsunterbrechungen, Sicherheitsvorfällen und in extremen Fällen zu Auswirkungen auf die nationale Sicherheit führen. Die Prinzipien sind nicht als Checkliste oder Mindestanforderung gedacht. Vielmehr sollen sie Organisationen dabei unterstützen, fundierte, risikobasierte Entscheidungen bei der Planung, Umsetzung und dem Betrieb von OT-Konnektivität zu treffen.
Die neuen Leitlinien spiegeln eine branchenweite Realität wider. OT-Umgebungen sind nicht länger isoliert. Die Grenzen zwischen IT und OT sind verschwommen, und Konnektivität wird häufig schrittweise eingeführt, um dringende betriebliche Anforderungen zu erfüllen, statt auf Basis eines strukturierten Designs.
Studien zeigen, dass die Mehrheit industrieller Cyber-Vorfälle heute ihren Ursprung in IT-Umgebungen hat, bevor sie sich lateral in OT ausbreiten. Gleichzeitig verfügen viele Organisationen nicht über genaue Inventare ihrer OT-Assets, betreiben Legacy-Systeme, die sich nur schwer patchen lassen, und verlassen sich auf unsichere Fernzugriffsmechanismen. Konnektivitätsmodelle werden im Laufe der Zeit zunehmend komplex und binden Geschäftssysteme, Abrechnungsplattformen, Cloud-Dienste, Integratoren und zahlreiche Drittparteien ein. Jede neue Verbindung vergrößert die Angriffsfläche.
Die vom NCSC geführten Leitlinien adressieren diese Herausforderungen direkt, indem sie kontrollierte Konnektivität, reduzierte Exponierung und Resilienz bereits im Design betonen.
Die Leitlinien beginnen mit einer klaren Botschaft. Konnektivität kann operativen Mehrwert schaffen, jedoch nur dann, wenn Risiken explizit verstanden und gesteuert werden. OT-Konnektivität darf niemals Sicherheit, Zuverlässigkeit oder Verfügbarkeit untergraben.
Dieser Ansatz entspricht eng dem OT-Risikomanagement von Integrity360. Mithilfe anerkannter Methoden wie ISO 27005 und EBIOS unterstützen wir Organisationen dabei zu verstehen, wie Konnektivitätsentscheidungen Cyber-, physische und Sicherheitsrisiken beeinflussen. Konnektivität wird nicht als rein technische Entscheidung betrachtet, sondern anhand von Geschäftsauswirkungen, Bedrohungslage und operativer Resilienz bewertet.
Durch die Einbettung von Risikomanagement in OT-Entscheidungsprozesse stellen Organisationen sicher, dass Konnektivität mit ihrer definierten Risikoakzeptanz übereinstimmt, anstatt sich unkoordiniert zu entwickeln.
Ein zentrales Thema der Leitlinien ist die Begrenzung der Exponierung. Unnötige Zugriffspfade sollten eliminiert und Kommunikation streng kontrolliert werden. IT/OT-Konnektivität sollte standardisierten und gesteuerten Pfaden folgen, um Konsistenz bei Überwachung, Protokollierung, Transparenz und Governance sicherzustellen.
In der Praxis leiden viele OT-Umgebungen unter fragmentierten Zugriffsmodellen. Maßgeschneiderte Verbindungen werden für einzelne Anbieter oder Projekte geschaffen, oft mit inkonsistenten Kontrollen und begrenzter Übersicht. Mit der Zeit entsteht so eine Komplexität, die schwer abzusichern oder zu überwachen ist.
Integrity360 begegnet diesem Problem durch OT-Sicherheitsarchitektur-Reviews, das Design von IT/OT-DMZs sowie gezielte Audits, die nicht verwaltete Verbindungen, unsichere Zugriffspfade und Fehlkonfigurationen identifizieren. Durch die Konsolidierung von Zugriffen und die Verwaltung der Konnektivität über definierte Gateways und Standardmuster gewinnen Organisationen mehr Kontrolle, eine konsistente Durchsetzung von Richtlinien und ein geringeres Risiko von Konfigurationsabweichungen.
Die Härtung der OT-Perimeter ist ein weiteres zentrales Prinzip. Systeme sollten nur das exponieren, was betrieblich erforderlich ist, und für alle Formen der Konnektivität starke Zugriffskontrollen anwenden.
Dies ist besonders wichtig, wenn Fernzugriff benötigt wird. Externer Zugriff auf OT-Umgebungen sollte durch phishing-resistente Multifaktor-Authentifizierung, identitätsbasierte Zugriffskontrollen und eine strikte Umsetzung des Prinzips der minimalen Rechte geschützt sein. Standard-Anmeldeinformationen dürfen auf produktiven Systemen niemals vorhanden sein, insbesondere nicht auf solchen, die von externen Netzwerken erreichbar sind.
Die OT-Security-Engineering-Services von Integrity360 unterstützen Organisationen bei der Implementierung gehärteter Perimeter-Kontrollen, sicherer Fernzugriffslösungen und Administrations-Bastionen, die speziell für industrielle Umgebungen entwickelt wurden. Diese Maßnahmen verhindern unbefugten Zugriff und gewährleisten zugleich die betriebliche Kontinuität.
Die Leitlinien machen deutlich, dass von einem Kompromittierungsfall ausgegangen werden muss. Tritt er ein, muss seine Auswirkung begrenzt werden. Segmentierung und Flusskontrolle sind entscheidend, um laterale Bewegungen zwischen Systemen zu verhindern.
Legacy- und veraltete Geräte stellen eine besondere Herausforderung dar. Sie sind häufig für direkte externe Konnektivität ungeeignet und unterstützen keine modernen Sicherheitskontrollen. Die Leitlinien empfehlen indirekten Zugriff mit starken kompensierenden Maßnahmen, darunter Segmentierung, vertrauenswürdige Grenzkomponenten und umfassende Protokollierung.
Integrity360 unterstützt Organisationen regelmäßig bei der Entwicklung von Segmentierungsstrategien im Einklang mit IEC 62443, der Isolierung von Hochrisiko-Assets und der Implementierung kompensierender Kontrollen für Legacy-Systeme. Dadurch wird die Schadensausbreitung im Vorfall reduziert und kritische Abläufe werden vor Kaskadeneffekten geschützt.
Die Leitlinien befassen sich auch mit industriellen Protokollen und empfehlen die Migration zu sicheren Varianten, die kryptografische Schutzmechanismen für Authentizität und Integrität unterstützen. Bleiben unsichere Protokolle im Einsatz, sollte dies ausdrücklich begründet und durch eine Migrations-Roadmap abgesichert sein.
Der Datenaustausch zwischen IT und OT sollte über eine DMZ unter Verwendung sicherer, standardisierter Protokolle erfolgen. Betriebsdaten können sicher geteilt werden, indem OT-Historian-Daten in eine DMZ-Instanz über unidirektionale Übertragungsmechanismen repliziert werden, sodass keine eingehende Konnektivität von IT nach OT besteht.
Integrity360 unterstützt diese Anforderungen durch OT-Security-Engineering, Protokollbewertungen und die sichere Integration von Netzwerk-Sonden, Firewalls und Monitoring-Lösungen, die auf industrielle Rahmenbedingungen abgestimmt sind.
Konnektivität muss sichtbar sein. Protokollierung und kontinuierliche Überwachung sind essenziell, um anomales Verhalten zu erkennen, Segmentierungsrichtlinien zu validieren und die Incident Response zu unterstützen.
Wirksame Überwachung beginnt mit dem Verständnis der Vorgehensweisen von Angreifern und der Entwicklung von Telemetrie zur Erkennung dieser Muster, nicht mit der bloßen Sammlung von Logs zu Compliance-Zwecken. Die OT-Investigation- und Incident-Response-Services von Integrity360 konzentrieren sich auf den Aufbau sinnvoller Erkennungsfähigkeiten, die eine schnelle Eindämmung und Wiederherstellung ermöglichen.
Abschließend betonen die Leitlinien die Bedeutung der Isolationsplanung. OT-Systeme, die kritische Funktionen unterstützen, sollten so ausgelegt sein, dass sie im Notfall unabhängig betrieben werden können. Isolationspläne müssen getestet und in die umfassenderen Business-Continuity-Prozesse integriert werden.
Die vom NCSC geführten Prinzipien bieten einen klaren und praxisnahen Rahmen, doch Leitlinien allein reduzieren kein Risiko. Für die meisten Organisationen besteht die eigentliche Herausforderung darin, diese Prinzipien in reale Architekturen, Governance-Modelle und operative Kontrollen zu überführen.
Integrity360 unterstützt Organisationen genau dabei. Mit OT-Consulting, Audits, Engineering, Schulungen und Incident Response begleiten wir den gesamten Lebenszyklus sicherer OT-Konnektivität. Von der Bewertung der aktuellen Exponierung über die Gestaltung resilienter Architekturen bis hin zur Reaktion auf Vorfälle spiegelt unser Ansatz dasselbe Ziel wider wie die Leitlinien. Konnektivität dort ermöglichen, wo sie Mehrwert schafft, jedoch niemals auf Kosten von Sicherheit, Zuverlässigkeit oder Integrität.
Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, wie Integrity360 Sie bei Ihren OT- und Cybersecurity-Anforderungen unterstützen kann, kontaktieren Sie unsere Expertinnen und Experten.